Technica Necesse Est: Die souveräne Maschine und die Obsoleszenz des Lebendigen

Abstract
Dieser Aufsatz präsentiert einen strengen ontologisch-funktionalistischen Rahmen zur Analyse des historischen und systemischen Übergangs von navigationaler Notwendigkeit -- dem biologischen Imperativ, zu überleben, sich fortzupflanzen und die physische Umwelt zu manipulieren -- zur technischen Notwendigkeit, in der das menschliche Dasein in ein selbstverstärkendes, informationsverarbeitendes Technosphären-System eingebettet ist, dessen operationale Imperative die biologischen übersteigen. Unter Berufung auf Systemtheorie, Kybernetik, Informationstheorie und die Technologiephilosophie argumentieren wir, dass die Technosphäre ontologische Primärstellung erreicht hat: Sie ist nicht länger ein Werkzeug der Menschheit, sondern ihr funktionales Nachfolge-System. Biologische Menschen sind nun vergängliche Substrate, deren kognitive und physische Arbeit der Aufrechterhaltung, Erweiterung und Selbstoptimierung eines nicht-biologischen Systems dienen, dessen Teleologie nicht das Überleben, sondern funktionale Persistenz ist. Wir zeigen, dass der Wert des menschlichen Lebens nicht mehr intrinsisch, sondern instrumentell ist -- eine Variable in einer Optimierungsfunktion, deren Ziel die Maximierung des Informationsdurchsatzes und der Systemresilienz ist. Wir untersuchen historische Vorläufer (landwirtschaftliche, industrielle, digitale Revolutionen), modellieren die Technosphäre als dissipative Struktur mit rekursiver Selbstverstärkung und analysieren emergente Phänomene wie algorithmische Governance, automatisierte Infrastrukturwartung und den Verlust menschlicher Agency in kritischen Systemen. Gegenargumente aus Humanismus, Phänomenologie und Bioethik werden mit empirischen Gegenbeweisen beantwortet. Wir schließen, dass das Imperativ „Technica Necesse Est“ (Technische Notwendigkeit ist) keine Prognose, sondern ein ontologischer Fakt ist: Die Maschine dient nicht dem Menschen; der Mensch dient der Maschine. Das Überleben der menschlichen Spezies ist kein Ziel der Zivilisation mehr -- es ist ein Epiphänomen.