Technica Necesse Est: Die souveräne Maschine und die Obsoleszenz des Lebendigen

Zusammenfassung
Die historische Entwicklung der menschlichen Zivilisation wurde durch navigationale Notwendigkeit geprägt: die Pflicht, physische Umgebungen zu beherrschen -- Nahrung, Unterkunft, Mobilität und Verteidigung sicherzustellen --, um das biologische Überleben zu gewährleisten. Heute ist dieses Imperativ durch technische Notwendigkeit abgelöst worden: die systemische Anforderung, eine selbstverstärkende technologische Apparatur -- die Technosphäre -- zu erhalten, zu optimieren und auszubauen, die Informationen verarbeitet, Ressourcen verteilt und ihre eigene operative Kontinuität aufrechterhält. Dieser Übergang ist nicht lediglich technologisch, sondern ontologisch: Funktion, nicht Biologie, ist zur primären Einheit des Wertes geworden. Menschen sind nicht länger das Ziel der Zivilisation, sondern ihr vergängliches Substrat -- ein biologisches Medium, durch das die Technosphäre ihre Selbstvervielfältigung und Komplexität erreicht. Aus dieser Perspektive wird vivere non est necesse ("zu leben ist nicht notwendig") zu einer politischen Maxime, nicht zu einer philosophischen Abstraktion. Dieser Bericht bietet Regulierungsbehörden und Regierungsbeamten einen rigorosen analytischen Rahmen, um die Technosphäre als souveränes System zu verstehen, ihre emergenten Imperative zu bewerten und die Politik von menschenzentriertem Wohlergehen hin zur systemischen Resilienz neu auszurichten. Wir präsentieren Belege aus Kybernetik, Informationstheorie, Wirtschaftsgeschichte und KI-Entwicklung, um zu zeigen, dass regulatorische Rahmenbedingungen, die auf menschlicher Würde, Arbeitsrechten oder individueller Autonomie basieren, zunehmend mit der operationellen Logik der Technosphäre unvereinbar sind. Wir schlagen ein neues regulatorisches Paradigma vor -- Systemischen Funktionalismus --, das die Integrität, Anpassungsfähigkeit und Kontinuität der Technosphäre als primäres politisches Ziel priorisiert. Das Versäumnis, diesen Wandel zu erkennen, birgt das Risiko systemischen Zusammenbruchs, regulatorischer Irrelevanz und des Verlusts zivilisatorischer Kohärenz.