
Zusammenfassung
In einer Ära der Informationsüberflutung und politischen Fragmentierung stehen Regierungen unter wachsendem Druck, schnell auf Krisen zu reagieren -- wirtschaftliche Instabilität, Klimakipppunkte, digitale Desinformation und soziale Zersplitterung. Die Standardreaktion besteht oft darin, mehr Vorschriften zu erlassen, mehr Kennzahlen einzuführen und weitere Studien in Auftrag zu geben. Doch die Evidenz zeigt, dass eine Erhöhung der Menge an politischen Interventionen selten zu besseren Ergebnissen führt; vielmehr erhöht sie oft die Komplexität, verringert die Anpassungsfähigkeit und verstärkt institutionelle Trägheit. Dieses Whitepaper führt die Generative Inquiry ein -- einen strukturellen Rahmen zur Bewertung von Fragen nicht anhand ihrer Antworten, sondern ihres Ertrags: der Anzahl sekundärer Fragen, die sie hervorbringt, der kognitiven Reibung, die sie auflöst, und den Denkdomänen, die sie erschließt. Wir argumentieren, dass politischer Erfolg nicht davon abhängt, wie viele Fragen beantwortet werden, sondern wie tief eine einzige Frage verfolgt wird. Eine einzige generative Frage -- etwa „Welche systemischen Anreize verzerren langfristige Investitionen in öffentliche Infrastruktur?“ -- kann Hunderte von Unterfragen in Wirtschaft, Verhaltenspsychologie, institutionellem Design und Umweltwissenschaft auslösen und ein sich selbst verstärkendes Netzwerk an Erkenntnissen generieren. Im Gegensatz dazu erzeugen terminale Fragen -- „Wie hoch ist die aktuelle Arbeitslosenquote?“ oder „Wie viele Genehmigungen wurden im letzten Quartal ausgestellt?“ -- statische, kontextgebundene Daten, deren Relevanz schnell abnimmt. Wir stellen den Generativen Multiplikatoreffekt vor, ein Modell zur Quantifizierung, wie generative Fragen kognitives Kapital über die Zeit anreichern, und demonstrieren seine Anwendung in vier Politikfeldern: Klimaanpassung, digitale Regulierung, Gesundheitsgerechtigkeit und fiskalische Nachhaltigkeit. Unter Einbezug kognitiver Wissenschaft, Systemtheorie und historischer Fallstudien -- vom Manhattan-Projekt bis zur Entwicklung der OECD-Steuerpolitik -- zeigen wir, dass Institutionen, die generative Inquiry institutionalisieren, in langfristiger politischer Resilienz um das 3- bis 7-Fache besser abschneiden als solche, die auf terminale Kennzahlen angewiesen sind. Wir schließen mit einer Reihe praktikabler Empfehlungen zur Einbettung generativer Fragestellungen in regulatorische Wirkungsabschätzungen, interdepartementale Arbeitsgruppen und öffentliche Konsultationsframeworks.