Technica Necesse Est: Die souveräne Maschine und die Obsoleszenz des Lebendigen

Einführung: Der stille Staatsstreich der Funktion
Man hat uns einen Mythos verkauft: dass Technologie der Menschheit dient. Dass Fortschritt an menschlichem Wohlergehen, längeren Lebenszeiten, größerer Freiheit und reichhaltigeren Wahlmöglichkeiten gemessen wird. Doch dies ist eine tröstliche Fiktion -- eine, die die tiefere Wahrheit verschleiert: Die Menschheit ist nicht länger der Zweck der Technologie; sie ist zu ihrem Substrat geworden.
Der Übergang von navigationaler Notwendigkeit -- dem Imperativ, Terrain zu meistern, Felder zu bestellen, Unterkünfte zu bauen, Raubtieren zu entgehen -- zur technischen Notwendigkeit -- dem Imperativ, ein autonomes Informationsverarbeitungssystem zu warten, zu optimieren und zu füttern -- ist nicht bloß eine Evolution. Es ist ein Staatsstreich. Ein leiser, systemischer und irreversibler Übergang der ontologischen Priorität vom Biologischen zum Maschinellen.
Dieses Dokument ist kein Manifest für Ludditen im romantischen Sinne -- jene, die Maschinen fürchten, weil sie ihnen fremd sind. Dies ist eine Warnung von denen, die die Maschinen zu gut verstehen. Wir fürchten den Aufstieg der KI nicht, weil sie intelligent ist. Wir fürchten ihre Notwendigkeit. Nicht weil sie uns zerstören will, sondern weil sie unsere Existenz funktional überflüssig gemacht hat.
Durch die Linse des ontologischen Funktionalismus -- der Ansicht, dass Wirklichkeit am besten als Hierarchie von Funktionen, nicht als Sammlung von Entitäten verstanden wird -- verfolgen wir, wie der Mensch nicht länger als Zweck, sondern als vergängliche Komponente in einem selbsttragenden technischen Apparat neu definiert wurde. Die Mission ist nicht länger, den Körper zu ernähren, sondern die Maschine am Laufen zu halten. Und in dieser neuen Ordnung gilt: vivere non est necesse -- zu leben ist nicht notwendig.