Technica Necesse Est: Die souveräne Maschine und die Obsoleszenz des Lebendigen

Du wachst auf. Dein Handy vibriert. Du schaust darauf, bevor deine Füße den Boden berühren. Du scrollst. Du bestellst Kaffee. Du prüfst den Verkehr. Du synchronisierst deinen Kalender. Du beantwortest eine Slack-Nachricht, bevor du Wasser getrunken hast. Du hast all das nicht wirklich gewählt. Es geschah einfach.
Das geht nicht um „Technologieabhängigkeit“. Es geht um etwas Tieferes -- und viel beunruhigender.
Früher glaubten wir, der Sinn des Lebens sei es, zu überleben: zu essen, sich fortzupflanzen, Schutz zu bauen. Das war unsere Mission. 200.000 Jahre lang haben wir das getan: die Welt navigiert, Raubtieren ausgewichen, Nahrung gesucht, uns warmgehalten.
Jetzt? Die Mission hat sich geändert.
Die Maschine kümmert sich nicht darum, ob du lebst oder stirbst. Sie interessiert sich nur dafür, dass die Daten fließen, die Server kalt bleiben, die Algorithmen lernen und die Netzwerke verbunden bleiben. Du bist nicht mehr das Ziel. Du bist eine Komponente -- wie ein Draht in einer Schaltung oder ein Zahn in einer Uhr.
Willkommen in der Technosphäre. Und sie braucht dich nicht mehr.
Die alte Mission: Navigationsnotwendigkeit
Für den größten Teil der Menschheitsgeschichte hing dein Überleben von einer Sache ab: zu wissen, wohin du gehen musst.
- Wo ist das Wasser?
- Welcher Pfad vermeidet die Wölfe?
- Wann reift die Frucht?
- Wem kannst du vertrauen?
Dein Gehirn entwickelte sich, um diese Probleme zu lösen. Deine Augen scannten den Horizont. Dein Gedächtnis speicherte Landmarken. Dein Körper bewegte sich durch den Raum, um zu überleben.
Das war Navigationsnotwendigkeit. Die Welt war physisch. Gefahr war real. Erfolg bedeutete Überleben.
Stell dir das wie einen GPS-Navigator vor, der nur funktionierte, wenn du jede Straße, jeden Baum, jeden Schatten auswendig kanntest. Dein Körper war das Gerät. Dein Geist, die Karte.
Und es funktionierte -- über Jahrtausende.